Alge des Jahres 2022

01. Februrar 2022

Stylodinium

Kleine Alge ganz groß: Aufgefallen ist Stylodinium den Wissenschaftler:innen, weil sich die Alge anders verhält als ihre Verwandten aus der Gruppe der Panzergeißler (Dinophyta): Stylodinium lebt in einigen unserer heimischen Moore und heftet sich an andere Algen an, obwohl sie eigentlich selbst schwimmen kann. Prof. Dr. Marc Gottschling von der Ludwigs-Maximilian-Universität München (LMU) und Dr. Urban Tillmann vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), arbeiten an der Erforschung des Panzergeißlers, dessen Lebensraums durch die Klimakrise bedroht ist.

Zuhause in Oberbayern und Norddeutschland

Stylodinium wechselt zwischen einer beweglichen und einer sesshaften Lebensform hin- und her. Ähnlich wie eine Aufsitzerpflanze in Regenwaldgebieten, kann sie sich an andere Organismen anheften. Warum das so ist, wollen die Forschenden herausfinden. Untersucht werden dafür künftig wenig bekannte Moore und Gewässer in Deutschland, in denen Stylodinium bereits beobachtet wurde. Sie hoffen, Stylodinium bavariense in den ehemaligen Torfstichen von Seeon in Bayern und Stylodinium lindemannii im Kieshofer Moor in Mecklenburg-Vorpommern aufzuspüren. Aus den Wasserproben sollen die Stielalgen zum Wachsen im Labor isoliert werden. Anschließend können sie weiter untersucht werden.  

Algen sind Multitalente

Die Welt der Algen steckt voller Überraschungen: Viele Algen sind zwar mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, leisten in der Summe aber einen enormen Beitrag zum Klimaschutz. Als Produzenten bilden sie außerdem die Basis der Nahrungskette im Meer. Aber auch in unseren heimischen Mooren sind sie unentbehrlich: Mithilfe der Fotosynthese können Algen nicht nur Sauerstoff herstellen, sondern auch klimaschädliches CO2 binden.

Viele Algenarten werden auch in der Nahrungsmittel- oder Kosmetikindustrie genutzt. Sie enthalten Wirkstoffe gegen Viren, Bakterien oder Pilze. Vermehrt rücken sie auch ins Interesse des Energiesektors: Als Biokraftstoff könnten sich Algen eignen, weil sie schnell wachsen und unproblematisch gezüchtet werden können.

Die kugelförmige Alge Stylodinium cf. bavariense aus den ehemaligen Torfstichen nahe des bayerischen Seeon heftet sich mit einem Stiel an eine fadenförmige Alge, nachdem sie ihr schwimmendes Stadium aufgegeben hat (siehe Foto).

Algenforschung am Botanischen Institut in München

Untergebracht ist die Botanische Staatssammlung zusammen mit dem Herbar der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) heute im denkmalgeschützten Gebäude in der Menzinger Straße 67 auf dem Gelände des Botanischen Gartens München-Nymphenburg. Die Wissenschaftler:innen leisten wertvolle Arbeit für die Klima- und Biodiversitätsforschung.

Auszeichnung „Alge des Jahres“

Seit dem Jahr 2007 wählt die Sektion Phykologie Deutschen BotanischenGesellschaft (DBG) eine Alge des Jahres. Alle Informationen zu den ausgezeichneten Arten unter: www.dbg-phykologie.de/alge-des-jahres