Ökologisch-genetische Abteilung

Die ökologisch-genetische Abteilung befasst sich mit Lebensformen, Pflanzengesellschaften, Bestäubungsbiologie, Samenverbreitung und Vererbungslehre. Der „Lehrgarten“, welcher viele Funktionen und morphologische Bildungen von Pflanzen im vergleichenden Zusammenhang zeigt, beherbergt auch einen Wassergarten. Wasser- und Sumpfpflanzen sind dort in speziellen abgesenkten Becken angesiedelt, die zwei kleine Glashäuser umgeben. Flankiert wird dieser Bereich durch zwei Laubengänge, die Pergolen, die einer großen Auswahl an Kletterpflanzen unterschiedlichster Verwandtschaft Platz geben.

Becken für Sumpf und Wasserpflanzen

Die Becken für Sumpf- und Wasserpflanzen ermöglichen Besucher:innen, die an feuchte und nasse Habitate angepassten Pflanzen aus nächster Nähe zu sehen, was in der freien Natur nur selten möglich ist. Diese Wasserbecken wurden anlässlich der Bundesgartenschau 1983 in München in ihrer heutigen Form angelegt. Die in ihnen präsentierten Pflanzen sind oftmals in ihrem Lebensraum vom Aussterben bedroht, denn Feuchtbiotope wurden vor allem in den letzten Jahrhunderten trockengelegt, um Kulturflächen zu gewinnen. Zwei Kleingewächshäuser präsentieren fleischfressende Pflanzen und andere Raritäten.

Vererbungslehre und Genetik

Beete im westlichen Teil des abgesenkten Bereichs nördlich des Cafés illustrieren Themen aus der Vererbungslehre oder Genetik.

Den Grundstein der modernen Vererbungslehre legte der Mönch und Forscher Gregor Mendel (1822 – 1884). Er experimentierte mit Erbsen, und zwar mit sieben unterschiedlichen Merkmalen reinrassiger Erbsenlinien, und fasste die Ergebnisse seiner Kreuzungsversuche zu drei Grundregeln zusammen. Diese drei „Gesetze“, die er an Hand seiner Beobachtungen formulierte, wurden als „Mendelsche Regeln“ bekannt.

Gemeinsam mit Kooperationspartnern widmet der Botanische Garten München das Jahr 2022 thematisch Gregor Mendel und seiner Forschung. Eine Übersicht über alle Veranstaltungen finden Sie hier.

Formenvielfalt

Mutationen – erbliche Veränderungen und die daraus hervorgehenden genetisch veränderten Pflanzen – sowie die Variabilität einer Art sind weitere Themen der Genetischen Abteilung. Letzteres wird anhand verschiedener Kulturformen des Gemüse-Kohls (Brassica oleracea) aufgezeigt; einer Art die wegen ihrer Formenvielfalt und vielseitigen Verwendbarkeit eine unserer wichtigsten Gemüsepflanzen ist.

Ein weiteres Thema sind die Chimären. In der Biologie versteht man darunter einen Organismus aus zwei oder mehreren unterschiedlichen Komponenten. Beispielsweise aus normalen und mutierten Zellen. Beobachten lässt sich dieses Phänomen auch an sog. Pfropfbastarden bei Gehölzen. An der Pfropfstelle entspringen aus Zellen beide Partner. Es kann jedoch auch zur Entmischung und in Teilen zur Dominanz der einen oder der anderen Art kommen.